Die Eigentümerin des Flst. Nr. 722/2 hat sich an das Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung, den Ortsbeirat Frauenaurach, den Stadtteilbeirat Alterlangen sowie die Mitglieder des UVPA mit der Bitte gewandt, die Darstellungen des Flächennutzungsplans (FNP) 2003 mit integriertem Landschaftsplan und ausgewiesener Streuobstwiese im Bereich südlich von Schallershof zu ändern. Angestrebt wird eine bauliche Entwicklung des Grundstücks unter Einbeziehung umliegender Nachbargrundstücke.

Die Stadt Erlangen beabsichtigt nun für dieses Areal im Rahmen einer Gesamtfortschreibung des FNP eine integrierte Stadtentwicklungsplanung, bei der die perspektivischen Entwicklungsziele sowie die unterschiedlichen Raumnutzungsansprüche verhandelt werden.

Niederschrift der Sitzung des Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschusses / Werkausschusses EB77
vom 20.04.2021 zu TOP 6.3 Flächennutzungsplan im Bereich südlich Schallershof.
Sachbericht:
Anlass
Die Eigentümerin des Flst. Nr. 722/2 – Gemarkung Frauenaurach – hat sich an das Amt für
Stadtentwicklung und Stadtplanung, den Ortsbeirat Frauenaurach sowie die Mitglieder des UVPA
mit der Bitte gewandt, die Darstellungen des Flächennutzungsplans mit integriertem
Landschaftsplan (FNP) 2003 im Bereich südlich von Schallershof zu ändern. Angestrebt wird eine
bauliche Entwicklung des Grundstücks unter Einbeziehung umliegender Nachbargrundstücke.
Darstellung im FNP
Südlich der als gemischte Baufläche dargestellten Altbebauung von Schallershof sind im FNP
Flächen für Landwirtschaft / Streuobstwiese dargestellt. Im Bereich der Anschlussstelle zum
Herzogenauracher Damm werden entlang der Verkehrsflächen Grünflächen („Straßenbegleitgrün“)
dargestellt. Im Westen wird am Main-Donau-Kanal Wald dargestellt. Im Osten grenzt das
Landschaftsschutzgebiet Regnitztal mit der Darstellung von „Flächen mit besonderer Bedeutung
für den Arten- und Biotopschutz (Bestand und Entwicklung)“ und Grünland an (siehe Anlage 1). Im
zuvor gültigen FNP 1983 waren die Bereiche ebenfalls als Flächen für Landwirtschaft (ohne
landschaftsplanerische Aussagen) dargestellt.
Streuobstwiesen an Ortsrändern sind gerade in Franken sehr typisch und sehr wertvoll, wie auch
die Diskussion um das Insektensterben zeigt. Die Grundstücke am Ortsrand von Schallershof und
am Rand des Landschaftsschutz- und Überschwemmungsgebietes Regnitztal sind daher trotz
derzeit anderer Nutzung im FNP als Fläche für die Landwirtschaft / Streuobstwiese dargestellt. Die
Anlage von Streuobstwiesen kann auch als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme von
Interesse sein, mit der Eingriffe in Natur und Landschaft im Zusammenhang mit einer baulichen
Nutzung an anderer Stelle kompensiert werden.
Bestandsnutzungen
Im Bereich südlich des Altortes Schallershof sind unterschiedliche Nutzungen anzutreffen:
 Gartengrundstücke
 Bauhof und Lagerplätze
 Vereinsnutzung (Hundesport)
 Grünland
 Gehölze / Wald
Der Bereich wird geprägt durch die Straßenverkehrsanlagen (Anschluss Schallershofer Straße an
den Herzogenauracher Damm).
Die im FNP dargestellten Streuobstwiesen sind bisher nicht angelegt worden.

Baurechtliche Situation
Die Zulässigkeit von (baulichen) Grundstücksnutzungen ist anhand der Lage im Innen- oder
Außenbereich nach Baugesetzbuch (BauGB) oder im Geltungsbereich eines Bebauungsplans zu
beurteilen.
Anhand der gängigen Kriterien ist der Bereich, in dem das Flurstück Nr. 722/2 liegt, nicht als
Ortsteil einzustufen. Die umliegenden Grundstücke, welche gewerblich und als Ferien- und
Wochenendhäuser genutzt werden, weisen keine Bebauung auf, die dem ständigen Aufenthalt von
Menschen dient. Sie sind außerdem quantitativ nicht ausreichend, um ein gewisses Gewicht zu
besitzen und lassen keine organische Siedlungsstruktur erkennen.
Da kein Bebauungszusammenhang vorliegt, ist die Genehmigungsfähigkeit von Vorhaben auf
Flurstück Nr. 722/2 gemäß § 35 BauGB (Außenbereich) zu beurteilen.

Verfahren
Der FNP stellt die beabsichtigte bauliche und sonstige Entwicklung des Stadtgebiets dar. Er gibt
als vorbereitender Bauleitplan nicht die tatsächliche Nutzung, sondern die kommunalen
Planungsziele wieder. Im Erlanger Flächennutzungsplan ist wie in Bayern üblich der
Landschaftsplan integriert mit Rechtsgrundlage im § 11 Bundesnaturschutzgesetz und Artikel 4
Bayerisches Naturschutzgesetz. Damit werden Ziele, Erfordernisse und Maßnahmen des
Naturschutzes und der Landschaftspflege, in diesem Fall eine Entwicklung als Streuobstwiese,
konkretisiert.
Der FNP ist vom Stadtrat beschlossen und nach der Genehmigung durch die Regierung von
Mittelfranken am 21.08.2003 wirksam geworden. Der Plan ist behördenverbindlich, er hat aber
keine unmittelbare Rechtswirkung auf Private. Sie sind insofern auch nicht an die Darstellungen
des FNP gebunden.

Weiteres Vorgehen
Die Stadt Erlangen beabsichtigt eine integrierte Stadtentwicklungsplanung, bei der die
perspektivischen Entwicklungsziele sowie die unterschiedlichen Raumnutzungsansprüche
verhandelt werden. Dabei ist eine Vielzahl von Herausforderungen zu berücksichtigen und zu
gewichten. Der anstehende Prozess wird mit intensiver Beteiligung von Fachstellen, Stakeholdern
und der Öffentlichkeit gestaltet.
Die künftigen räumlichen Entwicklungsziele werden voraussichtlich im Rahmen einer
Gesamtfortschreibung des Flächennutzungsplans und Landschaftsplans in vorbereitende
Bauleitplanung überführt. Angesichts der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen ist
regelmäßig zwischen den unterschiedlichen Arten und Bedarfen einer baulichen Entwicklung, den
infrastrukturellen Gegebenheiten und den verschiedenen Freiraumnutzungen abzuwägen und ein
räumliches Gesamtkonzept zu erstellen. Dieses muss auch die Belange des Natur-, Arten- und
Klimaschutzes berücksichtigen.

Vor diesem Hintergrund besteht aus Sicht der Verwaltung derzeit kein darüber hinaus gehendes
Handlungserfordernis.